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Do it yourself: Batiken mit Pflanzenfarben

Frau mit selbst gebatiktem T-Shirt in lila.

Batik-Muster sind voll im Trend. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie meine Freunde und ich in Kindheitstagen auf Geburtstagsfeiern verschiedene Muster auf Turnbeutel, Jutetaschen oder ausrangierte T-Shirts gezaubert haben. Das hat mir schon damals einen riesen Spaß gemacht. Doch seither ist einige Zeit vergangen und zuletzt habe ich nur noch das ein oder andere Batik-Teil in meinem Lieblings-Second-Hand-Laden abgestaubt. Selbst gebatikt habe ich schon lange nicht mehr … Das soll sich nun durch das Batiken mit Pflanzenfarben ändern!

Warum Batiken mit Pflanzenfarben?

Als ich mich nach Stofffarben im Internet erkundigt habe, bin ich über das natürliche Färben mit Pflanzenfarben gestolpert. Da kam bei mir sofort der Gedanke auf, es doch einfach mal mit den natürlichen Farben zu probieren.

Möchte man mit Pflanzenfarben arbeiten, muss man sich allerdings von Vornhinein bewusst machen, dass die Farbnuancen nicht so kräftig ausfallen, wie das bei synthetischen Farben der Fall ist. Dafür verzichtet man jedoch auf eine ganze Menge Chemie – ich finde, das ist den Versuch allemal wert. Mehr spannende Informationen zu dem Färben mit Pflanzen hält Pflanzenexperte Rudi Beiser in seinem Beitrag über Färberpflanzen bereit.

Was eignet sich zum Batiken?

Nach ein wenig Recherche hatte ich mich auch schnell entschieden, welche Pflanzen und Küchenabfälle für mein Batik-Experiment herhalten sollten. Über mehrere Wochen hinweg habe ich deshalb die Schalen und Kerne von Avocados gesammelt, da diese nicht allzu oft auf dem Speiseplan stehen. Herauskommen soll beim Färben mit Avocado nämlich ein schönes Altrosa, weshalb ich die Frucht unbedingt zum Färben nutzen wollte – außerdem werden so auch die letzten Reste der Avocados ganz im Sinne des Zero-Waste-Gedankens verwertet. Wichtig beim Sammeln von Avocadoresten ist das gründliche Waschen der Schalen und Kerne, damit keine Fruchtfleischreste mehr zurückbleiben. Danach kann man die Avocadoreste trocknen lassen und bis zur Weiterverwendung aufbewahren. Zusätzlich zu den Avocados habe ich die Schalen von roten Zwiebeln aufgehoben und wilde Brombeeren gesammelt. Außerdem kann man zum Färben aus Küchenabfällen auch Kaffeesatz benutzen – es bieten sich also unendliche Möglichkeiten.

Der Tisch ist voll mit gefrorenen Brombeeren, rote Zwiebelschalen sowie Avocadoschalen und -kernen. © Karolina K.

Brombeeren (lila), rote Zwiebelschalen (grün) und Avocados (altrosa) eignen sich gut zum Färben und Batiken.

Schritt für Schritt: Stoffe für das Färben richtig vorbereiten

Für das Färben mit Pflanzenfarben sollten Stoffe aus Naturfasern verwendet werden. Demnach eignet sich zum Beispiel Wolle, Leinen oder Baumwolle. Synthetische Fasern kann man hingegen nur schlecht für das Batiken mit Pflanzenfarbe nutzen, da sie diese nicht gut aufnehmen. Die natürlichen Stofffasern müssen vor dem Färben in einem längeren Prozess vorbereitet werden, damit sie die Farbe auch langfristig annehmen können.

Entschlichten

Der erste Schritt, um die Stoffe auf die anstehende Färbung vorzubereiten, besteht aus dem sogenannten Entschlichten der Textilien. Das Entschlichten soll die Stoffe von Schutzfilmen, Fetten und Verschmutzungen befreien, die das Durchfärbevermögen der Textilien negativ beeinflussen können. Für die Entschlichtung kann man die Stoffe einfach auf dem Herd mit ca. einem Esslöffel Soda für zwei Stunden auskochen. Ich habe die Stoffe alternativ in der Waschmaschine, ohne das Zugeben von Waschmitteln, bei 40 bis 60 Grad gewaschen, da sich wasserlösliche Schlichte auch beim Waschen mit heißem Wasser gut löst.

Beizen

Nach dem Entschlichten folgt das Beizen. Das Beizen der Textilien dient dem Zweck, die Farbe länger auf den Stoffen haltbar zu machen. Für diesen Zweck habe ich Alaun in der Apotheke besorgt. Alaun ist ein Salz, das mit Hilfe seiner Aluminium-Ionen eine Verbindung zwischen Textilfasern und Farbstoffen schafft und somit als Fixierhilfe dient. Das optimale Mischverhältnis von Alaun und Textilien erreicht man, indem mindestens 15 Prozent Alaun, bezogen auf Trockengewichts des zu färbenden Stoffes, verwendet werden. Da sich Alaun nur in heißem Wasser gut auflöst, muss es in kochendes Wasser eingerührt werden. Die zu färbenden Stoffe werden in der Alaunlösung für 1-2 Stunden gekocht. Danach werden sie kurz abgespült und dürfen anschließend eine Woche lang ruhen, damit die Beize eine möglichst stabile Verbindung mit den Stoffen eingehen kann.

Färben

Um die Farbe aus den gesammelten Küchenabfällen zu extrahieren, werden diese in Wasser vorsichtig aufgekocht. Wichtig ist, dass der Farbsud anschließend durch ein Tuch abgeseiht wird. Tut man das nicht, können Rückstände der festen Pflanzenbestandteile beim anschließenden Färben Flecken auf den Stoffen hinterlassen.

Drei verschiedene Techniken eignen sich zum Batiken mit Pflanzenfarben

Schneckennudel: Um einen Farbwirbel zu zaubern, breitet man den Stoff vor sich aus. Nun platziert man seine Finger oder einer Gabel in die Mitte des Stoffes – dort, wo der Wirbel entstehen soll – und dreht den Stoff ein. Ist der Stoff komplett zu einer Schnecke aufgerollt, fixiert man den Stoffballen mit Gummis oder Stoffschnüren, damit sich das Ganze später beim Färben nicht wieder aufrollen kann.

Auf dem oberen Bild wird ein weißes T-Shirt mit Hilfe einer Gabel kreisförmig eingedreht, unten sieht man das Ergebnis nach dem Färben. © Karolina K.

Mit der Gabel als Hilfswerkzeug ist das Eindrehen des Stoffs ein Kinderspiel.

Streifen: Ein Streifenmuster kann man auf dem Stoff erzielen, indem der Stoff ordentlich zu einer langen Bahn zusammengefaltet und anschließend mit einer Schnur oder Gummis in den gewünschten Abständen abgebunden wird. Die Schnüre gut festziehen, damit keine Farbe an diese Stellen gelangen kann und sich die Schnur nicht wieder löst. Die überstehenden Schnurreste einfach abschneiden.

Auf dem oberen Bild ist das Stück Stoff durch SChnüre in mehrere Segmente abgebunden, unten sieht man das Ergebnis nach dem Färben. © Karolina K.

Das Streifenmuster ist simpel – einfach einzelne Stoffpartien abbinden.

Kreise: Mehrere Kreise werden gebatikt, indem einzelne Stoffzipfel abgetrennt werden. Dafür einfach an der gewünschten Stelle des Stoffes ein Stück herausgreifen und abbinden. Doppelte Kreise schafft man, indem mehrere Partien eines Stoffzipfels abgebunden werden. Bei Batik-T-Shirts nicht vergessen, auch die Rückseite des Shirts mit Kreismustern zu versehen.

Auf dem oberen Bild werden verschiedene Partien des weißes Baumwolltops mit Gummis abgebunden, unten sieht man das Ergebnis. © Karolina K.

Die Gummis für die später entstehenden Kreise können beliebig platziert werden.

Anleitung für das Batiken mit Pflanzenfarben

Hier können Sie die Anleitung für das Batiken von Stoffen mit Avocado als PDF herunterladen.

Das brauchen Sie

  • Schalen und Kerne von ca. 6 Avocados
  • Topf
  • Holzlöffel zum Rühren
  • Schnur oder Gummis
  • Stoff
  • Sieb
  • Auffanggefäß
  • Mulltuch zum Abseihen

Anmerkung: Alternativ zu den Avocados können Sie auch andere Pflanzenreste verwenden. Zu beachten ist, dass die Pflanzenfarben neben den Stoffen auch andere empfindliche Materialien wie zum Beispiel Holz färben. Am besten nutzen Sie zum Batiken mit Pflanzenfarben daher ausrangierte oder robuste Töpfe und Löffel.

Und so geht’s

  1. Den Stoff mit Alaun etwa 2 Stunden beizen, danach kurz abspülen und anschließend für eine Woche ruhen lassen.
  2. Nach der Woche Ruhezeit die Avocadoschalen und -kerne zerkleinern, alles in einen großen Topf geben und mit Wasser bedecken.
  3. Bei kleiner Hitze für circa eine halbe Stunde köcheln, aber auf keinen Fall zu heiß werden lassen, da sonst die Farbe ins bräunliche kippen kann. Experimentieren Sie ruhig und kochen Sie die Avocados so lange, bis Sie ein zufriedenstellendes Farbergebnis erreicht haben.
  4. Den fertigen Farbsud durch ein Tuch abseihen, damit keine Reste der Avocado darin zurückbleiben. Den Topf ebenfalls von Schalen- und Kernresten befreien.
  5. Den Stoff je nach gewünschten Batikmuster mit Gummis oder einer Schnur abbinden.
  6. Die Pflanzenfarbe gemeinsam mit dem Stoff in den Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis der Stoff bedeckt ist. Je mehr Wasser nachgefüllt werden muss, desto blasser werden die Farben.
  7. Bei niedriger Hitze 2 Stunden köcheln lassen und den Stoff immer wieder sanft bewegen, damit die Farbe überall einziehen kann.
  8. Den Stoff über Nacht in dem abgekühlten Färbersud liegen lassen.
  9. Am Morgen die Schnüre und Gummis entfernen, den Stoff ausspülen, trocknen und eine Woche ruhen lassen.

Hinweise: Pflanzenfarben sind sehr lichtempfindlich. Hängen Sie sie daher nicht zum Trocknen in die pralle Sonne. Durch die Beize können Sie die Stoffe in der Waschmaschine schonend waschen, auf Bleichmittel und aggressive Waschmittel sollten Sie allerdings verzichten. Beim ersten Waschgang nach dem Färben empfiehlt es sich, die gefärbten Stoffe separat zu waschen, falls sich noch restliche Farbe löst.

Drei bunte Leinentücher, die mit Pflanzenfarben gebatikt wurden. © Karolina K.

Die Leinentücher wurden mit Avocados, roten Zwiebeln und Brombeeren gefärbt.

Mein Fazit zum Batiken mit Pflanzenfarben

Ich bin gespannt, wie lange meine Pflanzenfarben auf den Stoffen halten werden und wie sie nach einigen Waschvorgängen aussehen. Auch wenn das Färben mit Pflanzen aufwendig ist, macht es dennoch unglaublich viel Spaß und die Ergebnisse und Farbtöne, die sich auf den Stoffen entwickeln, erstaunen mich immer wieder. Ich möchte Sie daher ermuntern, sich auch an das Färben und Batiken mit Pflanzenfarben heranzuwagen und bin gespannt, welche Kreationen Sie bei sich zu Hause zaubern.

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Bildquellen

  • material-zum-faerben: © Karolina K.
  • batikmuster-schneckennudel: © Karolina K.
  • batikmuster-streifen: © Karolina K.
  • batikmuster-kreise: © Karolina K.
  • ergebnis-batiken-mit-pflanzenfarben: © Karolina K.
  • batik-t-shirt: © Karolina K.

Karolina absolviert derzeit ein Duales Studium bei Waschbär. In ihrer Freizeit streift sie mit Pferd und Hund durch die idyllischen Wiesen und Wälder vor der eigenen Haustür. Dabei tankt sie Energie und lässt ihren Gedanken freien Lauf. Die so entstehenden Ideen führen oft zur Zubereitung veganer Köstlichkeiten, die sie an Freunden und Familie testet, oder geschmackvollen Upcycling-Projekten.

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