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Apfelverwertung: Wohin mit den vielen Äpfeln?

Ein geflochtener Korb gefüllt mit reifen Äpfeln steht für die Apfelverwertung bereit.

Der Apfelbaum (Malus domestica) ist aus einer Kreuzung von Wildäpfeln entstanden. Von der Kulturform züchtete man schon im Römischen Reich zahlreiche verschiedene Sorten. Vor 2000 Jahren gelangte der Apfel dann mit den Römern auch zu uns nach Mitteleuropa, wo bis dahin nur der kaum genießbare Holzapfel bekannt war. Heute gibt es viele Tausende durch Züchtung entstandene Kultursorten, die sich für die Apfelverwertung eignen.

Der Apfel in der Paradiesgeschichte

Der Apfel hatte im Mittelalter zeitweise einen zweifelhaften Ruf, weil er angeblich dazu führte, dass der Mensch das Paradies verlassen musste: „Der Apfel, den Frau Eva brach, uns brachte alles Ungemach!“ Allerdings ist der Apfel unschuldig, denn in Palästina, wo die Paradiesgeschichte entstand, gab es damals noch keine Apfelbäume. In der Bibel wird eigentlich nur von einer „Frucht“ gesprochen – daraus wurde bei der Übersetzung dann ein Apfel. Vermutlich handelte es sich bei der Paradiesfrucht um den Granatapfel.

Liebeszauber für Heiratswillige

Trotzdem blieb am Apfel der Ruf haften, dass er mit Sexualität und Lust in Verbindung stehe. Deshalb setzten die Menschen im Mittelalter Äpfel auch gerne für Liebeszauber ein: Es gab beispielsweise zahlreiche Liebesorakel mit Äpfeln, die man vorzugsweise in der Andreasnacht (30. November) oder Thomasnacht (21. Dezember) ausübte. Die „Orakelsitzungen“ fanden meist in aller Heimlichkeit im Zimmer statt. Die „heiratswilligen“ jungen Frauen legten sich drei mit Namen beschriebene Äpfel unters Kopfkissen. Wenn sie nachts erwachten, bissen sie im Dunkeln in einen Apfel und konnten sich auf die Heirat mit demjenigen freuen, dessen Apfel sie erwischt hatten. Bei einem anderen Zauber legte man sich nackt ins Bett und biss dreimal in einen Apfel, um dann im Traum dem Zukünftigen zu begegnen. Dabei sprach man Beschwörungen wie: „Lieber Apfel, ich beiß dich an, komm her, mein Schatz, beiß auch einmal“.

Präparierte Liebesäpfel

Sehr verbreitet war auch der Brauch, dem heimlich Auserwählten einen präparierten Liebesapfel zu schenken. Man legte den Apfel zuvor einige Zeit unter die Achsel, an den Busen oder auf die Scham, damit er Geruch und Schweiß aufnahm. Diese magische Methode könnte aus heutiger Sicht durchaus wissenschaftlichen Segen erhalten, da hier Sexualduftstoffe zum Einsatz kamen. Einer alten Erzählung aus dem 16. Jahrhundert zufolge, hat diesen Brauch auch ein Junge bei einem Mädchen ausprobiert. Das Mädchen verfütterte den Apfel jedoch an ein Schwein, das von nun an den „Zauberlehrling“ gnadenlos verfolgte.

Der Liebeszauber wäre also eine mögliche Verwertungsmöglichkeit für die Apfelschwemme, aber wir wollen uns nun lieber zeitgemäßen Varianten zuwenden.

Apfelverwertung: Gesundheitliche Vorteile beim Rohverzehr

Selbstverständlich lassen sich die Äpfel am besten unverarbeitet genießen: Pur gegessen oder klein geschnitten unters Müsli oder unter den Salat gemischt, liefern sie uns zahlreiche Vitamine und andere gesundheitsförderliche Stoffe. Auch im Smoothie sind frische Äpfel eine willkommene Zutat. Der rohe Verzehr ist sicherlich die beste Methode für die Apfelverwertung, denn das meistgegessene Obst der Deutschen hat auch heilkundliche Wirkungen. Das zeigt sich nicht zuletzt in der englischen Volksweisheit: „An apple a day keeps the doctor away!“ Tatsächlich hat der Genuss roher Äpfel beispielsweise einen positiven Einfluss auf den Blutdruck und den Cholesterinspiegel. Außerdem wirken die „Paradiesfrüchte“ antikarzinogen.

Ein reifer Apfel hängt am Baum. © Rudi Beiser

Herrlich süß und saftig – die reifen Äpfel an den Bäumen werden gerne unverarbeitet verzehrt.

Äpfel einlagern

Aufgrund der vielen gesundheitlichen Vorteile ist es sinnvoll, einen Teil der Äpfel unverarbeitet einzulagern. Bei kühlen Temperaturen und im Dunkeln kann man sie mehrere Monate aufbewahren. Die optimale Lagertemperatur liegt bei 4 °C. Die Lagerräume sollten eine hohe Luftfeuchtigkeit haben, damit die Äpfel nicht austrocknen. Dementsprechend eignen sich als Lagerort am ehesten Keller, Dachboden, Garage oder Schuppen. Wichtig ist, dass man die Äpfel nicht zusammen mit anderem Obst und Gemüse lagert, denn sie sondern das Reifegas Ethylen ab und lassen daneben liegende Früchte schnell reifen und faulen. Dieses Phänomen kann man allerdings auch nutzen, um unreife Bananen oder Avocados reifen zu lassen: Zusammen mit Äpfeln für ein bis zwei Tage in eine Plastiktüte gelegt, reifen sie zuverlässig und schnell.

Der Klassiker der Apfelverwertung: Apfelkuchen

Ein Klassiker der Apfelverwertung ist der Apfelkuchen. Dazu gibt es unzählige Variationen: vom beliebten Blechkuchen über Apfeltarte und Apfelstrudel bis hin zum Apfelcrumble mit knusprigem Streuselbelag. Zum Thema Apfelkuchen findet man auch viele vollwertige und vegane Varianten. Ebenfalls eine süße Variante sind die in Pfannkuchenteig ausgebackenen Apfelküchle, die aber – ähnlich wie die Apfelkuchenvariante – eine sehr kalorienreiche Apfelverwertung darstellen.

Ein Stück Apfelkuchen auf einem Teller steht auf dem Tisch bereit. © Danah R.

Mit einem Apfelkuchen sind zahlreiche Äpfel schnell zu einem leckeren Nachtisch verarbeitet.

Selbst gemachter Apfelsaft

Zu den Top Ten der Apfelverwertung gehören auf jeden Fall der Apfelsaft und das Apfelmus. Wer große Mengen Äpfel hat, sollte sich bezüglich der Saftherstellung nach einer Mosterei in der Umgebung umschauen. Hier kann man den eigenen Apfelsaft professionell in Flaschen abfüllen lassen. Für den Hausgebrauch nutzen Sie am besten einen Entsafter oder eine Obstpresse und sterilisieren die Flaschen anschließend. Aber es geht auch ohne Entsafter, indem man die zerkleinerten Äpfel in wenig Wasser ca. 20 Minuten weich kocht und anschließend durch ein Passiertuch oder Mulltuch abpresst. Je nach Apfelsorte und Herstellungsverfahren benötigt man für einen Liter Saft 1,5 bis 2 kg Äpfel.

Selbst gemachtes Apfelmus für die Apfelverwertung

Auch Apfelmus lässt sich leicht selbst herstellen und bedarf keiner zusätzlichen Süße. Die Äpfel mit wenig Wasser und Zitronensaft weich kochen und pürieren. Anschließend das Apfelmus heiß in Gläser abfüllen und diese dicht verschließen. Probieren Sie statt des klassischen Apfelmuses auch einmal Mischungen mit Birne oder Banane und verwenden Sie Vanille oder Zimt als Gewürz. Apfelmus eignet sich beim veganen Backen gut als Bindemittel und Ei-Ersatz.

Apfel als Trockenobst

Einen Teil der Apfelernte können Sie auch trocknen, um die Apfelschnitze oder -ringe als Früchtetee, Zutat für Studentenfutter oder einfach als Knabberei zu verwenden. Für das Trockenobst schneiden Sie die entkernten Äpfel in drei bis vier Millimeter dünne Spalten oder Ringe. Diese dann im Backofen oder in speziellen Dörrautomaten trocknen. Beim Backofen ist darauf zu achten, dass die Ofentür einen kleinen Spalt offen bleibt, damit das verdunstete Wasser entweichen kann. Die Trocknungstemperatur bestimmt die Trocknungsdauer: bei 75 °C ca. drei bis vier Stunden und bei 50 °C ca. zwölf bis 14 Stunden. Schneidet man die Äpfel besonders dünn und trocknet sie etwas länger, dann wird das Trockenobst zu knusprigen Apfelchips. Ein Verfärben der Äpfel (was nicht weiter schlimm ist) kann man verhindern, indem man sie vor dem Trocknen mit etwas Zitronensaft bepinselt.

Äpfel sind in dünne Schnitze geschnitten und in ein luftdurchlässiges Sieb gelegt, damit sie trocknen können. © Rudi Beiser

Apfelringe selber machen funktioniert sowohl im Backofen als auch im Dörrautomat.

Früchtetee aus frischen Äpfeln

Für die Verwendung von Äpfeln für Früchtetee müssen Sie nicht unbedingt auf getrocknete Apfelschnitze zurückgreifen. Es funktioniert während der Saison auch mit frischen Äpfeln. Dazu schneidet man zwei Äpfel in kleine Stückchen und bringt sie in 0,5 Litern Wasser zum Kochen. Dann vom Herd nehmen und ca. 30 Minuten ziehen lassen.

Noch ein Tipp: Falls Sie Ihre Äpfel für besondere Verwendungszwecke schälen müssen, sollten Sie die Schalen nicht wegwerfen, sondern für einen leckeren Früchtetee trocknen.

Apfelverwertung mit selbst gemachtem Apfelsirup

Mit einem selbst hergestellten Apfelsirup können Sie Mixgetränke und Desserts süßen. Oder Sie gießen den Sirup einfach mit Mineralwasser als Limo auf. Für den Apfelsirup stellt man zunächst Apfelsaft aus den frischen Äpfeln her (siehe oben). Dann 0,75 Liter Saft mit 500 g Zucker erhitzen und zehn Minuten kochen lassen. Zum Schluss den Saft einer Zitrone unterrühren und heiß in sterile Flaschen abfüllen.

Selbst gemachtes Apfelgelee

Zu guter Letzt eignen sich Äpfel, beziehungsweise der daraus hergestellte Saft, sehr gut für Apfelgelee. Zunächst stellt man aus den Äpfeln Saft her (siehe oben). Wenn Sie einen Liter Saft verarbeiten möchten, benötigen Sie 500 g Gelierzucker (2:1) und den Saft einer Zitrone. Alles zusammen in einem Topf zum Kochen bringen und bei starker Hitze vier Minuten kochen. Dann das Gelee heiß in sterile Gläser füllen und sofort verschließen. Sie können das Gelee variieren, indem Sie einen Teil des Saftes zum Beispiel mit Orangen- oder Holundersaft mischen. Mit Zimt oder Vanille gewürzt, bekommt das Gelee eine besondere Note. Alternativ zum Gelierzucker können Sie auch andere Süßungsmittel (z.B. Honig oder Vollrohrzucker) einsetzen. In diesem Fall müssen Sie das Ganze mit Pektin oder Agar-Agar gelieren.

Weitere leckere Apfelrezepte sind die selbst gemachten Karamelläpfel aus Fallobst sowie die selbst gemachten Bratäpfel

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Bildquellen

  • apfel-am-baum: © Rudi Beiser
  • apfelkuchen: © Danah R.
  • aepfel-trocknen: © Rudi Beiser
  • apfelernte: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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